Zeitzeugen: Ludwig Thumshirn im Gespräch

Veröffentlicht am 16.05.2015 in Lokalpolitik

Ludwig Thumshirn

Anlässlich des Todes von Ludwig Thumshirn wollen wir das Interview, das Hanni Fichtner im Sommer 1998 mit ihm führte, nochmals veröffentlichen.
Das Interview erschien damals in der Herbstausgabe des "Sandhos'" der Pleinfelder SPD.

 

In unserer Interview-Reihe stellen wir Ihnen diesmal Herrn Ludwig Thumshirn, den ehemali­gen Leiter der Betonwerke Thumshirn GmbH, Böschleins­mühle, vor. Er ist seit über 50 Jahren SPD-Mitglied und heute 77 Jahre alt.

Sandhos: “Herr Thumshirn, seit wann sind Sie Mitglied bei der SPD und was hat Sie bewogen, dieser Partei beizutreten?“

LT: „Ich bin am 1.6.1946 nach Rückkehr aus Krieg und Ge­fangenschaft der SPD beigetreten. Familie und Umfeld machten mir die Entscheidung leicht, war ich doch bereits mit 8 Jahren in der sozialistischen Arbeiterjugend. In unserem Haus wohnte der SPD- Landtagsabgeordnete Heiner Stöhr, den ich außerordentlich schätzte und durch den ich auch Kurt Schumacher kennen lernte.“

Sandhos: “Wie haben Sie diese Zeit als SPD-Mitglied in Pleinfeld erlebt?“

LT: „Es waren in der Gemeinde Pleinfeld politisch noch verhält­nismäßig ruhige Zeiten. Die Gemeinde hatte wenig Geld und es gab auch nicht so viel Streit unter den Fraktionen. Das heute z.B. wieder ins Gerede ge­kommene Freibad wurde in Gemeinschaftsarbeit mit geringem Kostenaufwand gebaut. Leider ist unser damaliger Bürgermeister Georg Fichtner vor 30 Jahren sehr früh gestorben. Auch mit seinem Nachfolger sind wir sehr gut aus­gekommen. Seine Wahl wurde ja auch durch Unterstützung der SPD und des damaligen Gewer­bevereins herbeigeführt. Von 1972 bis 1978 war ich auch SPD-Kreisrat“

Sandhos: „Sie haben ein Unter­nehmen aus dem „Nichts“ heraus gegründet, welchen Rat würden Sie heutigen Existenzgründern geben?“

LT: „Eine Existenzgründung ist sicher heute schwieriger als kurz nach dem Krieg. Trotzdem würde ich auch heute wieder versuchen, mich selbständig zu machen. Natürlich gehört dazu Mut zur Unternehmung, viel persönlicher Einsatz und vor allem auch zu­verlässige Mitarbeiter.“

Sandhos: „Welche Rolle spielte Ihre Frau in Ihrem Unternehmer­leben?“

LT: „Ich habe absichtlich meine Frau vom Geschäft ferngehalten um zuhause private Verhältnisse zu haben.“

Sandhos: „Wie beurteilen Sie die aktuelle Gemeindesituation?

LT: “Die Gemeindepolitik interessiert mich immer noch sehr; trotzdem bin ich froh, nichts mehr damit zu tun zu haben.“

Sandhos: „Wie sieht der Alltag des „Rentners“ Ludwig Thumshirn aus?“

LT: „Durch meine Schwerhörig­keit vermeide ich die Gesellschaft, habe aber immer etwas zu tun. Ich unterstütze meine Frau im Haus­halt und betreibe trotz manchem Ärger mein Hobby, den Brief­taubensport, weiter.“

 

Sie haben soeben die verkürzte Fassung des am 24.06.98 im Wohnhaus von Herrn und Frau Thumshirn geführten Interviews gelesen. Herr Thumshirn erzählte, zwei Stunden lang unterstützt von seiner Frau, kenntnisreich, anschaulich und humorvoll über die persönlichen, gesellschaft­lichen und politischen Wechsel­spiele des Lebens in Pleinfeld und Umgebung.

Hanni A. Fichtner

 

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